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Hamburg-Bergedorf | 2014 | Außen

Rathaus Hamburg-Bergedorf - Bezirksamt

Zwei Jahre wurde die stark angegriffene Putzfassade saniert. Seit dem Frühjahr 2014 erscheint das Bezirksamt Hamburg-Bergedorf wie runderneuert: Der arabeske Altanstrich ist dem historischen Bordeauxfarbton gewichen.

Stattliche 4.000 m² umfasst die mineralisch verputzte Fassade des Bezirksamts Hamburg-Bergedorf, in einem Stadtteil der Hansestadt mit rund 41.000 Einwohnern gelegen. Sonderlich repräsentativ wirkte das geschichtsträchtige Gebäude an der pulsierenden Wentorfer Straße über viele Jahre nicht. An etlichen Stellen hatte sich der Altanstrich vom Putzuntergrund gelöst und bereits begonnen großflächig abzublättern. Auch diverse Risse und schadhafte Fugen waren kaum zu übersehen. Zahlreiche Ausbesserungsversuche hatten aus der einstigen Prachtfassade einen Flickenteppich gemacht. Die Ausstrahlung der herrlichen Turmuhr im Art Deco-Stil oder auch die Deckenleuchten in den Arkaden litten darunter sehr.

Zur 850-Jahr-Feier der Stadt Bergedorf im Sommer 2012 sollte sich das ändern!
Ziel war, dem mineralischen Altputz sein repräsentatives Erscheinungsbild und somit dem Rathaus seine würdevolle Ausstrahlung zurückzugeben. Das Vorhaben erwies sich jedoch als äußerst schwierig. Der Untergrund bestand aus mehreren Altschichten, die an verschiedenen Stellen auf  Materialproben höchst unterschiedlich reagierten. Welche Wirkstoffe jahrelang in die Putzschicht eingezogen waren und dort mit bauseits vorhandenen Substanzen reagierten, ließ sich mit vertretbarem Aufwand für die gesamte Fassadenfläche nicht ohne weiteres feststellen. Alle paar Zentimeter konnte sich die Beschaffenheit des Untergrundes ändern. Daher entschloss man sich in enger Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz zu einer pragmatischen Vorgehensweise: Nachdem zunächst die Rückseite des Rathauses sowie die Seitenflügel eingerüstet und abgeplant waren, wurden auf der gereinigten Altfassade mehrere Musterflächen angelegt. Die Verträglichkeit von Beschichtung und Untergrund galt es zu testen. Zu diesem Zeitpunkt gingen alle Beteiligten davon aus, dass der Neuanstrich wieder in Ockergelb ausgeführt wird.

Doch dann kam alles anders!
Im Mai 2012 reagierte die Denkmalschutzbehörde und stellte mit der denkmalfach­lichen Stellungnahme den Sanierungsansatz in Frage. Bis die technischen Details geklärt waren, vergingen mehrere Monate, in denen das Vorhaben ruhte. War man von einem Dispersions- oder Siliconharzanstrich ausgegangen, forderte das Denkmalschutzamt nun ein mineralisches System. Die zu ergänzenden Putzstellen sollten zudem in Materialart und Struktur dem Original entsprechen. Der ursprüngliche Kunststeinputz war an Fenstergewänden, Sockel und Gesimsen noch vorhanden. Dieser Originalputz sollte steinsichtig bleiben und nicht beschichtet werden. Das Denkmalschutzamt favorisierte zudem den originalen Rot-Ocker-Farbton. Folglich musste nicht nur das Farbkonzept, sondern auch der gesamte Sanierungsansatz mit einem mineralischen System sowie die Herrichtung der Kunststeingewände neu geplant werden. Diese Flächen aus verschiedenfarbigen Kieseln in Grau, Gelb, Weiß und Türkis sowie der anthrazitfarbene Sockel und die zweifarbigen Traufgesimse zeigten sich nach dem Abbeizen in einem derart schlechten baulichen Zustand, das umfangreiche Restaurierungsarbeiten erforderlich waren. In diesem Kontext wuchs die Vorstellung, den ursprünglich rot-ockerfarbenen Ton des Baudenkmals zu beleben. Die erneute Planung verzögerte das Bauvorhaben um drei Monate und bedeutete zugleich, dass die Fassade zur 850-Jahr-Feier nicht fertig werden würde.

Verkieselung aus gutem Grund!
Die Silikat-Fassadenfarbe Kieselit-Fusion hatte sich an zahlreichen Prestigeobjekten bewährt. In Bergedorf versprach dieses Silikatprodukt ebenfalls den erhofften Sanierungserfolg, vor allem aufgrund der hervorragenden Verkieselung des Anstriches mit dem Untergrund. Im September 2012 fiel dann die endgültige Entscheidung für Kieselit-Fusion – nun in dem historischen Farbton Bordeaux 40 aus der ALLIGATOR Farbkollektion 5000plus. Ein Seitenflügel und die Rückseite des Rathauses wurden damit noch im Herbst gestrichen. Nach der Winterpause, im Frühling 2013, wurden die Malerarbeiten an der Frontseite des Gebäudes sowie am Turm fortgesetzt.   Das Resultat kann sich sehen lassen Bis zur endgültigen Fertigstellung sollte jedoch noch ein weiteres Jahr vergehen. Als wäre das Können der Maler bei der Instandsetzung der historischen Fassade nicht schon genug gefordert worden, wartete zu guter Letzt auch noch der Turm mit einer Überraschung auf: „Der Altputz erwies sich während des Beschichtens als nicht mehr tragfähig und musste komplett abgezogen werden!“, berichtet Alfonso Buttice. Auch dieses Unterfangen meisterte sein Team mit Bravour: Fachgerecht wurde ein mineralisches ALLIGATOR-Putzsystem mit extra grober Körnung auf dem vorbereiteten Untergrund appliziert. Genau wie die bereits sanierten Putzflächen wurde im Farbton Bordeaux 40 gestrichen. Anschließend folgte eine Lasurbeschichtung mit Kieselit-Lasur im Farbton Bordeaux 35.

Das Resultat kann sich sehen lassen!
Der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Putz ist für Besucher kaum zu erkennen. Eigentlich verblüffend, wenn man bedenkt, dass die Einkerbungen und Narben im sanierten Altputz auf Wunsch der Denkmalschutzbehörde erhalten geblieben sind. Die weitgehende Anpassung der Putzstruktur des Turms an die übrigen Außenwände ist dem Malerbetrieb Hollenbach mit ALLIGATOR Kieselit-Fusion meisterlich gelungen.